Zinnwerke | ein Raum für Kreative, ein Ort für alle in Hamburg Wilhelmsburg

Christoph Rommel – Musiker, Autor

Antje Truelsen –Bildhauerin

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Musik und Literatur sind nun mal Kulturgüter ersten Ranges. So wundert es nicht, dass Christoph Rommel diese Künste pflegt. Vor drei Jahren hat er das Kanalkabinett mit Blick auf den Industriekanal bezogen. Etwas an der Peripherie des kreativen Epizentrums in den Zinnwerken gelegen, aber doch nahe genug, um von der schöpferischen Atmosphäre inspiriert zu werden. 
Eine gewisse Distanz ist allerdings auch nicht verkehrt, wenn man bedenkt, dass Spielen und Üben gerade auf dem Saxophon nicht immer das Gleiche ist. Da sind eben Tonleitern und Obertonübungen angesagt. Muss aber sein, die Billbrook Bluesband verlangt es so.


Meistens herrscht aber eine konzentrierte Stille, wenn Christoph an seinen Geschichten und Gedichten arbeitet, die zwischen ätzendem Spott und schneidender Kritik angesiedelt sind. Oft geht es um heillosen Konsum, Gewalt, Drogen und manchmal den sogenannten Sex. Tröstliche Antworten auf die brennenden Fragen der Gegenwart wird man nicht finden. Aber vielleicht werden Leser der Texte dem täglichen Irrsinn etwas besser standhalten können. Veröffentlichungen gab es bisher in Anthologien.

Mehr von Christoph gibt es hier zu hören  

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Ich und mein Überich - Erläuterungen zur Triebtheorie
(Christoph Rommel)

Den Todestrieb
hat keiner lieb
nicht einmal Siegmund Freud,

der dazu viele Seiten schrieb,
bis nichts mehr davon übrigblieb.
Dann hat er es bereut.

Der Trieb der Sexualität
kommt manchmal früh und manchmal spät.
Doch wann er kommt ist ganz egal,

die Folgen sind zumeist fatal.

Nacht
(Christoph Rommel)

I

Nacht macht Spaß.
Hans fasst Anna zart am Arm, ganz sacht.
Hans balzt.
Anna mag das, das hat was.
Das Paar war nackt.

Dann sagt Anna: Lass das!
Hans fragt ganz baff: War´s das?
Anna sagt: Ja.
Aha.
Da war Lack ab.

II

Nacht macht wach.
Tag macht schlaff.
Statt Schlaf las Adam
ab halb acht.

Franz Kafkas 'Landarzt'.
Ganz hart. Naja, Kafka halt.
Als Adam mal Kant las,
war ganz klar, was Kant sagt´.

Adam gab Acht, dass da was anklang,
was Adam charmant fand.
Das gab´s.

Las Adam Mann, dann brach Damm.
Adam las ganz lang, war wach.
Am Tag war Adam blass, Passant sprach Adam dann an.
Adam fand´s banal.
Darf Adam das?
Na klar.
Kann man.

III

Nacht macht alt, schlaff, krank,
sagt Barbara.
Barbara fand Schlaf fatal.
Barbaras Plan war: Das Glas Schnaps macht Nacht ganz tragbar.

Statt Schlaf trank Barbara als Bargast.
Rafft Glas an Glas.
Tankt Schnaps.
Barmann zankt mal, da Alk knapp war.
Barbara sagt: Lass man... mag ja Schnaps... kann das ab...

Jahr an Jahr tat Barbara das,
dann kam Fall.
Man fand Barbara am Zapfhahn,
lag prall da, starb langsam ab.

Man sang am Grab.
Sarg war schwarz, nachtschwarz.

Das war am Tag danach.

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