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Was könnte die Installation idealerweise leisten?

Idee

Die Intervention SCHAU.SPIEL.PLATZ. lädt Besucher_innen zum Konsumieren und Produzieren von Kultur in den leerstehenden Hallen der Wilhelmsburger Zinnwerke ein. Diese sind attraktives Umfeld für unterschiedliche Veranstaltungen, die durch fehlende Nutzungsmöglichkeiten und -konzepte sowie ausbleibende Handlungen nach politischen Beschlüssen kaum stattfinden können. Der angrenzende ehemalige Maschinenraum der Fabrik ist heute bereits ein kreatives Schaffenszentrum in Hamburg. Die fehlende Infrastruktur zur Bespielung der Freiräume wird durch die flexible Gerüst-Installation SCHAU.SPIEL.PLATZ. gegeben. Lackierte Gerüstteile können durch individuelle Holzeinbauten und textile Elemente für unterschiedliche Szenarien genutzt werden. Drei mobile Tribünen sowie ein temporärer Einbau sind die Kernelemente der modularen Installation, die sich beliebig kombinieren, arrangieren und erweitern lassen. Die Gerüstskulptur ist Tribüne, Bühne und Ort des Geschehens. Die drängenden Probleme der Zinnwerke gilt es für die Kommunikationsdesignerinnen Beate Kapfenberger und Martha Starke gestalterisch zu hinterfragen und durch eine Zwischennutzungen den Ort für diverse Formate zu öffnen und erproben. Der September 2017 ist als abwechslungsreicher Festmonat Experimentierfläche für verschiedenste Veranstaltungsformate.

Welche Parameter werden für die Installation definiert?

Entwurf

In der Planungs- und Realisierungsphase der Installation ist ein behutsames Vorgehen notwendig. Nur durch stetiges Er- und Hinterfragen des Bedarfs vor Ort sowie aktiver Kommunikation zwischen unterschiedlichen Akteurinnen, wird eine temporäre Bespielung des Ortes möglich. Durch das Hineinbewegen in den Ort werden die Bedürfnisse für den Raum und somit die Anforderungen an die Installation immer klarer. Erste Vorstellungen bereits Tribünen-artiger, mobiler Elemente äußern sich in Handskizzen und tasten sich so an die Installationen heran. Durch die Anfertigung eines Modells der 2.500 Quadratmeter großen Hallen im Maßstab 1:100 verfestigt sich die Kombination aus drei mobilen und einer immobilen Gerüst-Installation. Die drei mobilen Kernelemente der Infrastruktur sind bewegliche Gerüstmodule, die etwa drei Meter lang und breit, aber keine vier Meter hoch sind. So lassen sich die mobilen Einheiten durch die Hubtore der Hallen von innen nach außen bewegen. Auf jeder Tribüne können bis zu 20 Personen Platz nehmen. In der Halle befindet sich das temporäre Gerüstmodul, das Anknüpfungspunkt für die mobilen Elemente ist und gleichzeitig Sitzmöglichkeiten für etwa 45 Personen bietet. 3D-Renderings und vor allem die 2D-Konstruktionszeichnungen für die unterschiedlichsten Produktionsschritte formen ein immer detaillierteres Bild der finalen Installation und überprüfen gleichzeitig Konstruktionsprinzipien.

Die Ausgangsmaterialien sind Parameter, die Adaptionen und Optimierungen einfach zulassen. Alle Materialien lassen sich variabel kombinieren und sind weitestgehend wiederverwendbar. Bei der Recherche nach einem stabilen, modularen Material stößt man relativ schnell auf ein herkömmliches Bau-Raumgerüst-System. Es eignet sich besonders gut für Installationen und wird teilweise als pragmatisches Werkzeug für radikale Architektur und bürgerschaftliches Engagement angesehen. Um die Materialkosten zu minimieren und nachhaltig zu Gestalten, wird wo es möglich ist, auf vorhandenes Material zurückgegriffen. Ein gebrauchtes Gerüst schafft eine Vielzahl an Optionen und stellt zugleich eine Herausforderung für das Aufarbeiten und Lackieren dar, auf die es spontan zu reagieren gilt. Der mattschwarze Lack hebt die Konstruktion optisch auf neue Ebene. Durch die individuellen Holzeinbauten in der Installation werden die Gerüstböden zu Sitzbänken, Tische können zwischen Gerüststangen eingehangen werden und Ablagen oder Regale entstehen. Die Gerüstkonstruktionen werden visuell aufgelockert. Die unterschiedlichen Nutzungsszenarien für die Installation in den Zinnwerke, fordern neben einem hohen Maß an Flexibilität bei der Platzierung der Konstruktionen, auch eine Varianz bezüglich der Sitzgelegenheiten. Für eine entspannte Liegestuhl-ähnliche Sitzposition werden textile Sitz-Einhängungen konzipiert. Als Ausgangsmaterial dafür dienen ausrangierte Werbebanner, die umgearbeitet und umgenutzt werden.

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Wie wird die Umsetzung der Installation realisiert?

Produktion

Das Bauen der Objekte ist ein kreativer Prozess mit offenem Ausgang, bei dem unterschiedlichste Akteurinnen vernetzt werden und sich einbringen. Vieles darf und soll beim Produzieren improvisiert und optimiert werden. Durch den Entstehungsprozess der Installation entsteht eine Kollaborationsplattform, die bereits in der Produktionsphase zur Öffnung des Ortes beiträgt. Die Zinnwerke waren industrielle Produktionsstätte und bieten genügend Platz, um sie temporär erneut zur Fertigung zu nutzen. Die Hallen werden zur Hauptproduktionsstätte von SCHAU.SPIEL.PLATZ..

Ein großer Teil der Produktion wird mit einem gemeinnützigen Beschäftigungsträger absolviert, der Langzeitarbeitslose und Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integriert. Die Koordination unterschiedlicher Level an fachlichem Können, Interessen und Sprachniveaus in diesem Maßstab ist für die beiden Kommunikationsdesignerinnen neu. Nach anfänglichen Schwierigkeiten arbeiten die beiden kontinuierlich in den improvisierten Werkstatt-Hallen mit den Arbeitern zusammen. Das Verhältnis zu den »Auftraggeberinnen« und die Bereitschaft für die Arbeit steigt zunehmend. Es entwickelt sich ein offenes und ehrliches Interesse am Projekt. Die bis zu 25 Arbeiter reinigen das komplette gebrauchte Gerüst und lackieren es mit dem mattschwarzen Schuppenpanzer. Zahlreiche weitere Ehrenamtliche und Beschäftigungsträger sind an der Produktion beteiligt. Von der Presse-Beauftragten und dem spontanen Tischler aus der Nachbarschaft über die Druckerei einer Produktionsschule, bis hin zur Belegschaft des Metallbauers aus den Veringhöfen nebenan – alle Produktionspartnerinnen stehen in einer direkten Verbindung zum »Haus« oder zum Stadtteil. Es ist faszinierend zu erleben, wie viele Menschen man mit einer guten Idee für einen außergewöhnlichen Ort begeistern kann. Durch aktive Kommunikation und Interaktion kann man bereits während der Produktion auf das Projekt aufmerksam machen, andere involvieren und dadurch Feedback einholen.

Die Arbeiter des gemeinnützigen Beschäftigungsträgers wird über eine Stiftung finanziert. Die zudem anfallenden Produktions- und Materialkosten werden über öffentliche Fördermittel querfinanziert. Der zeitliche Aufwand zur Akquise von Förder- und Stiftungsgeldern sowie von Materialsponsoren ist enorm. Produkte und Werkstoffe werden durch nuancierte, neue Ideen umgenutzt, so werden die Materialkosten durch Upcycling auf ein Minimum reduziert.

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Das gebrauchte Gerüst, das zuvor als Zelt-Werft für ein Schiff aufgebaut war, enthält mehr Gerüstteile, als für die Kernelemente benötigt werden. Das eröffnet ungeahnte Optionen und die Initiatorinnen und Arbeiter können neben den geplanten drei mobilen und einer temporären Tribüne kleinere Elemente realisieren. Mit Werbebannern werden kleine, tragbare Liegestuhl-Elemente gebaut, die flexibel zu allen Tribünen-Anordnungen oder auch gesondert davon genutzt werden. Ebenso erweitern Tresen-Elemente das »Mobiliar« bei verschiedensten Veranstaltungen. Der Produktions-Prozesses zeichnet sich durch stetiges Reagieren und Optimieren aus. Auch im Festmonat werden Anpassungen vorgenommen, durch die spannende Kombination an unterschiedlichen Gerüst-Aufbauten für die angestrebte langfristige Nutzung entstehen.

Im Orientierungssystems vor Ort kommt ebenfalls das Bau-Raumgerüst zum Einsatz. Die geschickten Kombinationen aus Banner und Gerüstteilen spannen den Bogen zur Materialwahl der Installation und erleichtern den Besucherinnen die Orientierung auf dem Areal. Die beiden Kommunikationsdesignerinnen entwickeln ein Erscheinungsbild für das Projekt und den zugehörigen Festmonat: der klare und reduzierte Einsatz der gewählten Corporate Schrift in Kombination mit dem entwickelten Logo und einem konsequenten Wording, haben einen hohen Wiedererkennungswert für SCHAU.SPIEL.PLATZ. und die Zinnwerke.

Welche Bespielungen lassen sich im Festmonat realisieren?

Nutzung

SCHAU.SPIEL.PLATZ. soll den Anschub für die Ausarbeitung eines langfristigen Nutzungsplanes leisten. Daher ist es dem Organisationsteam ein großes Anliegen herauszufinden, welche Veranstaltungsformate wie angenommen werden. Beate und Martha kooperieren bei der Programmplanung – wie in der Konzeptionsphase auch – eng mit der Hirn und Wanst GmbH, Hauptmieter der Zinnwerke.


Die Installation schafft Raum zum Verweilen und Experimentierfläche für verschiedene Veranstaltungsformate mit thematischen Schwerpunkten.


Multiinstrumentalist Sven Kacirek ist Wilhelmsburger und verzaubert am Eröffnungsabend das geladene Publikum, das die unterschiedlichen Sitzmöglichkeiten einweiht und große Menschen von Oakleaf Stelzenkunst in den großen Hallen beobachtet. Am nächsten Tag wird beim Sommerfest der Wilhelmsburger Zinnwerke geliebt was das Zeug hält. Von 12 bis 12 ist der Kulturkanal Epizentrum des »Kanal und Liebe«. Workshops, Konzerte, Lesungen und Kulinarisches machen das Hoffest zum absoluten place to be für alle Kanalliebhaber und solche, die es mal werden wollen.

Mode.

Spiel.

Platz.

– ein Laufsteg für alle, die sich für nachhaltige, faire Mode interessieren und animiert zum Konsumvergnügen mit Verstand. VinoKilo ist erneut in den Zinnwerken zu Besuch und bringt die Kleiderei, die Konsumentin und die Wilhelmsburger Nachbarinnen von Kluntje mit.

Genuss.

Spiel.

Platz.

Der GENUSS.SPIEL.PLATZ. entsteht in Kooperation mit der Cookup culinary gallery. Er lockt Foodies mit interkulturellen Köstlichkeiten – ein Schmaus zu ausgewählten Klängen vom Plattenteller. Der Kunst-Imbiss sorgt für einen feinen Spritzer Kunst und abends flimmert eine kulinarische Komödie über die Leinwand. In Workshops mit der lokalen Initiative Minitopia werden beispielsweise Öfen gebaut, die man an Hinz&Kunzt spenden darf.

Zinnema

Das erste Indoor-Open-Air-Kino Hamburgs: das ZINNEMA-Kinoprogramm gliedert sich thematisch in den Festmonat ein. Ebenso wie der Theaterabend »Make War not Love« unter der Regie von Thalia-Schauspieler Steffen Siegmund finden diese Veranstaltungen auf Spendenbasis statt. Niedrigschwellige Veranstaltungen ziehen sowohl Bewohnerinnen aber auch Besucherinnen von der anderen Elbseite in die Zinnwerke. Eine Kooperatioin der beiden Elbseiten gibt es beim Nachbarschafts-Schallplatten-Talk: Sebastian Reier legt als Booty Carrell allerlei Schätze der Musikproduktion türkischen Gastarbeiter auf. Booty taucht mit den Interessierten Zuhörerinnen in diese Ära ein, die auch auf der Elbinsel stattgefunden hat. Für das authentische leibliche Wohl sorgen Nurhak und Akile aus Wilhelmsburg.

Schau.Spiel.Platz.

SCHAU.SPIEL.PLATZ. schafft im September 2017 einen Ort für alle: das Projekt ist Anschub zur kreativen, mittel- und langfristigen Nutzung von den wenig bis nicht genutzten Flächen. Die Freiräume am Veringkanal 7 werden so als Kommunikationsräume für alle geöffnet.

SCHAU.SPIEL.PLATZ. ist ein Projekt von Beate Kapfenberger und Martha Starke von morgen. in Kooperation mit Hirn und Wanst.

SCHAU.SPIEL.PLATZ. wird möglich gemacht durch Albrecht von Bremen AUG.PRIEN Bauunternehmung GmbH & Co. KG bene lux GmbH Carl Spaeter GmbH Dataplot GmbH Diplom Ingenieur (FH) Torsten Drenckhan elbgold Röstkaffee GmbH FIT gGmbH Geheimtipp Media GmbH Hansa Gerüstbau GmbH Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG Hirn und Wanst GmbH HOFA Holzimport GmbH H.J. Mordhorst Holzhandel KG Kocak Metallbau & Schweißtechnik Letterpress Manufaktur Hamburg LiebertA Mankiewicz Gebr. & Co. Otto Meyer & Co. GmbH Picker GmbH & Co. KG print-o-tec Mediengestaltung & Spezialdruck GmbH Profil Handel Lethe Räder Vogel Räder- und Rollenfabrik GmbH & Co. KG RK-Planen Robert Kröger GmbH Schaumstoffschwestern GmbH & Co. KG Sprungbrett gGmbH und Andre Weber Christian Kapfenberger Gottfried Eich Lena Frommeyer Lena Panten Roman Kühne Sören Wrede

SCHAU.SPIEL.PLATZ. wird gefördert von Beirat für Stadtteilentwicklung Bezirksversammlung Hamburg-Mitte und Homann-Stiftung